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Frau und Technik - bei Sabine Kling eine Erfolgsgeschichte
Thursday, 19. November 2009 14:23 Uhr Age: 292 Tage
Category: News HS

Sabine Kling mit Helmholtz-Halbschalen

Sabine Kling und Professor Dr. Axel Donges am Raster-Elektronenmikroskop

»Biomechanical response of normal and cross-linked Corneas.« Wer damit weder auf Englisch noch auf Deutsch etwas anfangen kann, braucht sich nichts dabei zu denken. Es ist der Titel der Diplomarbeit von Sabine Kling, die seit 2006 an der kleinen privaten Hochschule in Isny Physik-Ingenieurwesen studiert und sich nach dem Grundstudium auf Optik spezialisiert hat. Schon in der Realschule hat sich die sympathische junge Frau nach der achten Klasse für den mathematischen Zweig entschieden und auf der Fachoberschule in Lindau (FOS), wo sie die allgemeine Fachhochschulreife erlangte, wählte sie die Schwerpunkte Physik, Elektronik und Technologie. Sie war zudem im Abschlussjahr Schulbeste in der Fachrichtung Technik. An der FOS waren sie nur zwei Mädchen bei 35 Jungen in dieser Fachrichtung. »Meine Mutter hat es immer toll gefunden, dass ich mathematisches Verständnis habe«, erzählt sie vom Rückhalt in der Familie für ihre Entscheidung für ein technisches Studium. »Das hat mich eben immer schon interessiert.« Professor Dr. Axel Donges, Dekan des Fachbereichs Physik an der NTA und Prorektor der privaten Hochschule, erinnert sich noch daran, dass er Sabine Kling beim Tag der offenen Tür seinerzeit beraten hat. Das war noch bevor sie sich an der FOS anmeldete. Professor Donges bedauert, dass er sie damals noch nicht für die nta gewinnen konnte, denn hätte sie damals gleich am Berufskolleg der nta beispielsweise Physikalisch-Technische Assistentin gelernt, »hätte sie die Fachhochschulreife gehabt und gleichzeitig einen fertigen Beruf.« Das gebe Sicherheit, wenn es mit dem Studieren dann doch mal nicht so klappt und es sei auch ein Pluspunkt bei Bewerbungen. Darüber braucht sich die frischgebackene Diplom-Ingenieurin aber keine Gedanken zu machen, ihre Noten sind ausgezeichnet und sie hat schon wichtige Kontakte im Studium geknüpft. Selbst das Institut für ihre Promotion konnte sie sich aussuchen. Die Studenten der nta machen öfter Praxissemester im Ausland, weil sich ihnen dank der guten Kontakte der nta zur Industrie dort eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet. Australische Firmen übernähmen beispielsweise sogar die Flugkosten, erzählt Professor Dönges. Im Praxissemester ins Ausland zu gehen sei zudem für die Studenten wesentlich billiger, als im Theorie-Semester, denn so sparen sie sich die saftigen Studiengebühren, die an ausländischen Hochschulen fällig wären. »Gegen diese Gebühren sind wir, obwohl private Hochschule, Waisenknaben«, meint der Professor. Da die »University of Applied Sciences« - wie Fachhochschulen heute genannt werden - ab dem Wintersemester 2009 nur noch Bachelor-Studiengänge durchfuhrt, ist zukünftig nur noch ein Praxissemester notwendig.

Praxissemester in Zürich und Madrid

Sabine hat noch zwei gemacht und absolvierte ihr erstes Praxissemester in einer Augenklinik in Zürich. Deren Geschäftsführer Professor Dr. Michael Mrochen ist selbst Absolvent der nta, hat eine beispielhafte Karriere hinter sich und wirkt mittlerweile als Gastprofessor an der nta. »Er hat mich angesprochen und weil mich sowohl Physik als auch Medizin interessieren, und ich so beides kombinieren konnte, habe ich sofort zugesagt«, erinnert sich Sabine. Fürs zweite Praxissemester wagte sich die junge Westallgäuerin sogar noch weiter weg, nach Madrid. Am dortigen Optik-Institut forschte sie wie schon in der Züricher Augenklinik an einer neuen Behandlungsmethode zu Formänderungen der Hornhaut durch UV-Bestrahlung. »Unregelmäßige Hornhautverformungen - sogenannte »Aberrationen« - führen dazu, dass ins Auge einfallende Lichtstrahlen falsch gebrochen - abgelenkt - werden und daher kein scharfes Bild gesehen werden kann. Durch das Crosslinking wird der natürliche Alterungsprozess der Hornhaut beschleunigt, d.h., die einzelnen Kollagenfasern werden stärker miteinander vernetzt und die Hornhaut kann sich nicht weiter verformen. Wird nicht das ganze Auge bestrahlt, sondern nur gewisse Teilbereiche, könnten dadurch möglicherweise in Zukunft Sehkorrekturen, alternativ zum LASIK-Verfahren, vorgenommen werden«, erläutert die junge Forscherin ihre Arbeit. Auf diesem Gebiet wird sie auch für ihre Doktorarbeit forschen. Die macht sie am Forschungsinstitut in Madrid, wo sie schon so erfolgreich geforscht hat und sich auch menschlich wohl fühlt. Aus Sabines Madrider Zeit resultierte schon ein Kongressbeitrag in den USA, wo sie ein Poster präsentierte. Bei einer wissenschaftlichen Veröffentlichung, an der sie mitgearbeitet hat, wird ihr Name sogar an erster Stelle genannt.
Sowohl in der Augenklinik als auch am spanischen Forschungsinstitut - dessen Chefin eine Frau ist - sei sie von ihren männlichen Teamkollcgen bestens akzeptiert und ihre Meinung immer gerne in Entscheidungen mit einbezogen worden. »Trotz geringem Frauenanteil unter den Naturwissenschaftlern war die Gesamtbesetzung der Institute aufgrund wiederum eher klassischer Frauenberufe wie Arzthelferinnen, Optikerinnen, geschlechtlich durchaus sehr ausgeglichen«, sagt Sabine, »bei den Naturwissenschaftlern war aber der Frauenanteil gering.« Die lockere Atmosphäre am Madrider Forschungsinstitut gefiel Sabine besonders gut, »es wird viel mehr Wert auf das soziale Miteinander gelegt als in Deutschland«.

Ingenieurinnen stehen viele Türen offen

Grundsätzlich sind Frauen bei den technischen Studiengängen nur wenig vertreten, was Professor Donges sehr bedauert und auch nicht verstehen kann. »Wenn schon Naturwissenschaft, dann studieren sie lieber Chemie als Physik«, wundert sich der engagierte Professor, »als ob das >weiblicher< wäre.« Dabei stünden Physikingenieurinnen oder Elektronikerinnen viele Türen offen. »Und wenn in einem Forschungsinstitut 100 Physiker hocken, ist das Klima deutlich besser, wenn auch ein paar Damen dabei sind«, wurde ihm von Kollegen immer wieder bestätigt. Der Physikdekan hält es übrigens grundsätzlich für sinnvoll, sich im Studium nicht sofort auf ein bestimmtes Berufsfeld zu spezialisieren, »die Spezialisierung kommt im Beruf«. Der eine Physiker sei vielleicht in der Augenklinik, der andere baue Windräder und der nächste entwickle Solarzellen, nennt er die Vielfalt an Berufen, die dieses Studium ermöglicht. Erst recht bringe es wenig, sich schon zur Schulzeit zu sehr festzulegen. »Mir hat mein Physik-Leistungskurs im Studium wenig gebracht, es wäre für mich nützlicher gewesen, Englisch zu belegen «, weiß er aus heutiger Sicht. Seiner nur teils scherzhaft gemeinten Aussage, »Physik ist ein gutes Fach für Leute, die nicht wissen, was sie studieren sollen«, stimmt Sabine zu. »Ich wusste anfangs auch nicht genau, was ich werden wollte«, ergänzt sie, » aber Naturwissenschaften interessierten mich schon immer und da bietet Physik eine umfassende Grundlage.«

Extrem gute Noten

Mit 23 Diplom-Ingenieurin - das ist keine Selbstverständlichkeit, aber »typisch für die nta, dass so zügig studiert wird«, sagt Professor Donges nicht ohne Stolz. Bei Sabine kämen natürlich auch die »extrem guten Noten« hinzu, fügt er an. Im offiziellen Lebenslauf sagt die Diplom-Ingenieurin unter der Rubrik Charakterstärken von sich, dass sie hoch motiviert und organisiert ist und dass sie anspruchsvolle Aufgaben auch in stressigen Situationen bewältigen kann. Wer sich mit Sabine Kling unterhält, glaubt ihr das sofort, sie wirkt sehr ruhig und ausgeglichen. Und man traut ihr sofort zu, dass sie mit 25 oder 26 Jahren ihren Doktor haben wird, etwas, wovon Studenten an der Uni nur träumen können. Viel Zeit bleibt da nicht mehr für die Hobbies Radeln, Lesen oder Akkordeon spielen.

Text & Fotos: Barbara Rau

 

Quelle: Die Allgäuerin

Veranstaltungskalender

Am Samstag, den 09.10.2010 lädt die Naturwissenschaftlich-Technische Akademie Prof. Dr. Grübler gGmbH in Isny zum Beratungstag ein. Von 10:00 bis...

Event date:
Sat, 9.10.2010, 10:00 Uhr
Location: nta Isny

Thema: Herz–Kreislauf–Erkrankungen

Event dates:
Sat, 20.11.2010 to Sun, 21.11.2010
Location: nta Isny